Checker Tobi 3: Die heimliche Herrscherin der Erde

Kinofilm; Storyliner im Writer’s Room

Beim Ausmisten des Kellers stoßen Tobi und Marina auf eine alte Videoaufnahme. Darauf moderiert Tobi als 8-jähriger Junge eine selbsterfundene Show zu seinem Lieblingsthema: der Erde in unseren Böden. Das Video endet mit einer Rätselfrage – der allerersten Checker-Frage: Wer hinterlässt die mächtigsten Spuren im Erdreich?

Tobi hat die Antwort vergessen. Und während ihn die Frage von früher nicht mehr loslässt, erscheint ihm plötzlich sein kindliches Ich. Surreal, aber doch real. Der 8-jährige Tobi fordert den Tobi von heute heraus: Erinnere dich an die Antwort! Und beweise, dass du immer noch ein Checker bist. Die Suche nach der Antwort führt ihn in die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt Madagaskars, tief in den Permafrostboden Spitzbergens und auf die Spuren der alten Maya nach Mexiko. Doch erst als er versteht, was die Böden all seiner Stationen miteinander verbindet und was sie mit uns allen zu tun haben, kann er seinem bisher größten Herausforderer eine Antwort geben.

Doku-Fiction, 90min Buch & Regie: Antonia Simm Produktion: Megaherz

Kinostart: 2026

Dichte Teilnahme mit der Kamera

Bilder, Töne, Gespräche und Musiken sind das Material meiner Arbeit – sowohl im Dokumentarischen als auch im Fiktionalen. Die Grundgedanken meiner Haltung zum Filmemachen entstanden mit meiner Publikation „Dichte Teilnahme mit der Kamera“, in der ich über den mittlerweile über zwanzig Jahre alten, aber immer noch bemerkenswerten Film Them and Me (Eux et Moi) des französischen Filmemachers und Ethnologen Stéphane Breton schrieb. Breton filmte über sehr lange Zeit seinen Besuch bei den Wodani, einer indigenen Gesellschaft im Hochland von Papua-Neuguinea. Auf sehr einfache, und dabei unglaublich kluge, humorvolle und berührende Weise führt der Film vor Augen, was passiert, wenn man mit der Kamera in einem sozialen Beziehungsgeflecht unterwegs ist. Wie man beeinflusst, wie man selbst beeinflusst wird, wie man beobachtet und beobachtet wird. Dieses Wechselspiel von Distanz und Nähe ist für mich maßgeblich verantwortlich für den Zauber und die Berührung, die Filme beim Publikum auslösen können. Denn so wie das Leben ist das Filme-Machen für mich immer Prozess und Begegnung.

Dichte Teilnahme mit der Kamera. 2006. Filmstudie
Münster/Hamburg/London: LIT-Verlag

SAFAHRI: EINE REISE ZU DEN ELEMENTEN

Sky Original
Doku-Serie
5x50min
Produktion: Bon Voyage Films

Fahri Yardim: Ein Großstädter entdeckt die Natur
Film- und Serien-Star Fahri Yardim („Tatort“, „Jerks“) verlässt seine Großstadt-Komfortzone, um die Natur zu verstehen und zu sich zu finden. In der fünfteiligen Dokumentarserie „SaFahri – Eine Reise zu den Elementen“ reist er auf der Spur der vier Elemente. Auf seiner Tour von den Bergen bis zum Meer lässt er sich von Experten die Zusammenhänge der Natur erklären und es gelingt ihm, neue Kraft zu tanken.
„Alles an mir war erschöpft. Ich wollte die Selbstaushöhlung stoppen, die Entfremdung. Dem Großstadtaffen den Zucker entziehen“, erklärt Fahri Yardim, „und natürlich war ich zu feige, dafür der Karriere den nötigen Knick zuzumuten. Stattdessen hoffte ich, die nötige Auszeit mit dem Job verknüpfen zu können. So entstand diese absurd ambivalente Reise. Die zerrissen beginnen musste, doch je länger ich lief, desto mehr traf ein, was ich zu Anfang nur instinktiv hoffte.“

https://www.sky.de/serien/safahri-eine-reise-zu-den-elementen

Trailer SaFahri: Eine Reise zu den Elementen

Stern, 09.09.2021

SaFahri – Eine Reise zu den Elementen: „Unmoralische Begegnung“: Fahri Yardim erkundet die Natur und staunt über ejakulierende Eber

In der Doku-Reihe „SaFahri“ begibt sich Schauspieler Fahri Yardim auf eine Reise in die ihm bislang unbekannte Welt der Natur – und entdeckt Exotisches vor der eigenen Haustür.

Für die alten Griechen bestand die Welt aus vier Elementen: Erde, Wasser, Feuer, Luft. Daran orientiert sich auch die Doku-Reihe „SaFahri“, die auf Sky Nature zu sehen ist. Der bekannte Schauspieler Fahri Yardim („Tatort“, „Jerks“) begibt sich darin auf eine Reise in ihm unbekanntes Terrain. Sie führt ihn in den Thüringer Wald, auf die Schweizer Berge und an die Nordsee. Jede der vier Folgen ist einem Element gewidmet.

Best of: Folge (4) LUFT


Yardim ist als Hauptperson dieser Serie gut gewählt, ist der Hamburger doch ein eingefleischter Stadtmensch, der bislang kaum Berührungspunkte mit der freien Natur hatte. „Sehen Sie den Stress? Die Großstadt? Den Zyniker? Die Entfremdung?“, fragt der Schauspieler zu Beginn. „Während die Welt dabei ist, den Bach runterzugehen, kriege ich meinen Arsch nicht hoch. Bis jetzt.“ 
Dass Yardim so wenig Vorwissen besitzt, ist der Clou dieser Produktion: Denn stellvertretend für uns alle erkundet er mit staunenden Augen die Welt und stellt all die dummen Fragen, die sich der Zuschauer nie trauen würde zu stellen. Er freut sich wie ein kleines Kind über die Erkenntnis, wie viel Leben in der zwei Meter dicken Schicht unter der Erdoberfläche steckt. Wenn er in den Schweizer Bergen glasklares Gletscherwasser sieht, bekommt er glänzende Augen und nennt die Flüssigkeit begeistert „das Fruchtwasser der Erde“.
Fahri Yardim und die Lust an der Sexualität.

Neben Fahri Yardims sinnlichen Erfahrungen liefert die Serie viel Wissen über die Natur. „Zwei Drittel der Erdoberfläche sind Ozeane“, erklärt der 41-Jährige aus dem Off. „Auch wir bestehen zu etwa 70 Prozent aus Wasser.“ Zwischendurch eingeblendete Info-Tafeln liefern weitere Hintergrund-Informationen, etwa dass ein Drittel der Fläche Deutschlands mit Wald bedeckt ist. 

Die Serie sei  „der Versuch einer unmoralischen Begegnung mit der Natur und Naturschutz“. „Ich habe gemerkt, dass mir dieses fast tölpelhafte Gegenübertreten der Natur guttut. Sich naiv darauf einzulassen jenseits von Zahlen und Untergangsstimmung.“


Best of Folge (3) FEUER

Seine persönliche Erkenntnis aus dem Vierteiler beschreibt er so: „Ein fröhliches Leben zu führen und dabei der Natur zu helfen, das ist mein frommes Ziel.“ Um der reinen Natur näher zu kommen, brauche es keine Reise zu der Elefanten verschlingenden Anakonda, habe er festgestellt. Auch in Deutschland, Österreich oder der Schweiz gibt es Exotisches zu entdecken. Sein Fazit: „Wenn es gelingt, sich der Natur wieder aufrichtig zu öffnen, wartet Wundersames, abseits des Asphaltdschungels.“

PHOENIX IN DER ASCHE

engl. NO ASHES NO PHOENIX

Kino-Dokumentarfilm

88min
WDR
Produktion: Schöne Neue Filme
Verleih: Realfiction

Internationales Filmfest München 2011, Reihe: Neues Deutsches Kino
Internationales Filmfestival Dallas 2012 (USA)
Filmfestival London 2012
Filmfestival des Ruhrgebiets 2011
Slamdance Festival, Park City 2012 (USA)
Kinostart: 10. November 2011

Auszeichnungen:
Best Feature Documentary, Slamdance Festival 2012 (USA)
Dokumentarfilmpreis Ruhr 2011
Deutscher Dokumentarfilmpreis 2013 (nominiert)

Trailer

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. November 2011
Filmkritik : In den Tabuzonen des Profisports
Von Henning Harnisch

Die Hagener Basketballspieler sind in der Saison 2009/10 in die erste Liga aufgestiegen. Der Film „Phoenix in der Asche“ zeigt ein komplex angelegtes Drehbuch, das doch der Wahrheit entspricht.

Hagen ist ein Basketballort, allerdings mit einer rückwärts gewandten Note. Der deutsche Meistertitel 1974 und der Pokalsieg 1994 sind die sporthistorische Eckdaten. Dazwischen liegen unzählige Geschichten. Ihre Handlungs- und Erzählräume: die Ischelandhalle (Spielort). Der Feuervogel (Kneipe). 2003 war das Jahr, in dem die Hagener Bundesliga-Basketballspieler von der Bildfläche verschwanden. Abstieg in die zweite Liga. Nun sind sie als Phoenix Hagen zurück. Und da die legendäre Ischelandhalle saniert werden musste, galt es, eine Tennishalle, die ursprünglich eine Maschinenhalle war, in eine provisorische Heimspielstätte – die Phoenix-Halle – umzubauen.

Jens Pfeifer stammt aus Hagen, ist Basketballer und studiert Dokumentarfilm in München. Für sein erstes Langfilmprojekt ist er zurückgekehrt und hat die Aufsteigersaison 2009/10 mit der Mannschaft verbracht. Sein Projekt basiert auf den Fragen: Kann ein Team, das nach langer Abstinenz in die erste Liga aufgestiegen ist, sich dort, mit bescheidenen Mitteln, halten? Wie spielt und lebt es sich in einem Provisorium?

Die Saison entwickelt sich wie ein komplex angelegtes Drehbuch mit Shakespeareschem Ausmaß. Allein wie der dazu gekaufte Hoffnungsträger die Führung an sich reißt, um dann (selbst-)zerstörerisch mit ihr umzugehen. Es ist ein Drehbuch, wie man es einem Spielfilm wohl nicht abnehmen würde – zu ausgedacht, zu weit weg von der Realität! Was das Glück des Zuschauers ist, muss der Filmemacher sich hart erarbeiten: Die Kamera hat dauerhaft Zugang zu fast sämtlichen Tabuzonen des Profisports. Wir sehen das Trainerbüro, die Umkleidekabinen und die nächtliche Fahrt im Bus nach einem verlorenen Auswärtsspiel. All diese Räume kommen „zu Wort“; alle Protagonisten „spielen“ mit. Der Trainer Ingo Freyer und sein Assistent Steven Wriedt entpuppen sich als Duo, das auch eine sehr gute Besetzung als Tatort-Kommissare abgeben würde.

Der Alltag als Quelle für Inszenierungen
Es ist ein Unterschied, ob man ein Spiel oder eine Saison erzählt. In das Arbeitsfeld Profisport ist eine Struktur des Wartens eingeschrieben. Das Warten auf das nächste Spiel, nach Siegen und vor allem: nach Niederlagen. Je nach Verlauf einer Saison entwickelt sich auf der Ebene des Wartens eine eigene Ereignisstruktur. Die Heizung fällt beim Training aus, Spieler verletzten sich, Trainer irren sich, einer kommt zu spät, der andere kommt gar nicht. Diese Dinge bleiben für Außenstehende zumeist unsichtbar. Für die, die in diesem Feld leben, sind sie sichtbar und (körperlich!) prägend: für die Trainer, die Spieler, das Management. Hier entwickelt sich eine eigene Kultur der Bühne.

Jede Kleinigkeit, die der Trainer sagt und tut, wird von den Spielern wahrgenommen und kann gegen ihn verwendet werden. Genau hier entwickelt „Phoenix in der Asche“ seine filmische Reflexionskraft. Pfeifer montiert um das Vordergründige der Narration herum einen filmischen Handlungsraum, die Saison wird zu einem Kammerspiel. Er sammelt in diesen Räumen diese für jeden Dokumentarfilmer wichtigen Augenblicke, wenn nämlich geduldiges Warten mit prägenden Einstellungen belohnt wird. Wenn der Alltag also Quelle für Inszenierungen ist, dann verliert die Frage an Gewicht, inwieweit die Präsenz der Kamera das Geschehen davor beeinflusst. Vielmehr entsteht eine spannende Wechselwirkung zwischen den Handelnden (und deren Schauspieltalent) und der Kamera.

Wie ein Hollywood-Film
Der Regisseur registriert und reflektiert, inwieweit das Spiel Basketball heutzutage selbst permanent filmisch be- und verarbeitet wird. Nur ganz vereinzelt sieht man im Film normale Spielszenen, wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Die Kamera von Tobias Tempel sucht stattdessen, angenehm reduziert, ihren eigenen ästhetischen Zugang: Aus der Perspektive der Hallendecke zeigt sie in der Totalen einzelne Angriffe der Hagener; den aufgepeitschten Einlauf der Spieler zum ersten Heimspiel umtanzt sie kongenial.

Auf der anderen Seite reflektiert der Film den Wert des Mediums für die tägliche Arbeit der Beteiligten. Grundlage für jede inhaltliche Basketball-Analyse ist heutzutage Filmmaterial. Die Analyse des Spiels, die Vor- und Nachbereitung, die Einzelkritik an Spielern, all dies passiert filmisch und wird entsprechend gezeigt und genutzt. Profibasketball ist permanentes Reden über bewegte Bilder. Es ist ein filmischer Text, und das eigentlich Großartige an Pfeifers Film ist, dass er sich im Medium Film erst adäquat abbildet. „Phoenix in der Asche“ ist wie ein kluger Hollywood-Film konzipiert: sehr zuschauerfreundlich einerseits, gleichzeitig ist er im Subtext essayistisch angelegt. Am Dienstag, 8. November feiert der Film in Hagen Premiere. Nur wenige von den Spielern, die in der dramatischen Saison 2009/10 in Hagen gespielt haben, werden dabei sein. Sie sind zur nächsten Bohrinsel weitergezogen. Die Hagener dagegen werden an dem Abend mit einem filmischen Dokument belohnt. Sie werden ihre Geschichten nun auch durch einen Film erzählen – „was für eine verrückte Saison!“ Sie werden sich durch den Film an „die gute alte Phoenix-Halle“ erinnern können. Sie werden den Abend im Feuervogel ausklingen lassen. Nostalgie ist hartnäckig. Und sie werden sich vielleicht fragen, warum es nicht mehr solcher Filme gibt.

BLAUER HIMMEL

Thriller-Serie, 6x60min

Writer’s Room der 32. Drehbuch-Werkstatt München: Anna Göhrig, Kristina Peter, Melanie Schick und Jens Pfeifer; Head-Autor: Philipp Schneider

Sommer 2001: Unter strahlend blauem Himmel soll es die Hochzeit des Jahres werden. Im frisch eröffneten Luxus-Resort „The Lark“ an der griechischen Küste sammeln sich die Reichen und Mächtigen um den Hotel-Erben JOHANNES LERCHENFELDT (32) und seine Zukünftige ELENI (29). Mit dabei ist auch Johannes’ alte Clique aus Schulzeiten. Als plötzlich die Tochter von Johannes’ bestem Freund KARL-PHILIPP (31) entführt wird, müssen sich die Freunde eingestehen, dass da jemand eine alte Rechnung begleichen will. Eine Schuld, die sie vor fünfzehn Jahren auf sich geladen haben und der sie sich jetzt nicht mehr entziehen können.

Sommer 1986: Das Internat Schönbrunn in Bayern. Als der 16-Jährige Johannes an die Elite-Schule kommt, setzt er alles daran, die richtigen Kontakte zu knüpfen und verschafft sich Zugang zur Clique um den einflussreichen Karl-Philipp. Die beiden werden beste Freunde und träumen sich in eine glorreiche Zukunft. Doch als sich Johannes Hals über Kopf in ANJA (14), ein Mädchen aus dem Ort, verliebt, wird die Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Johannes entscheidet sich für die Liebe, doch dann zieht es ihm den Boden unter den Füßen weg: Anja kommt auf tragische Weise ums Leben und er gibt sich selbst die Schuld an ihrem Tod. Mit dem Rücken zur Wand lässt sich Johannes von Karl-Philipp und der Clique überreden, einen folgenschweren Fehler zu begehen: Um ihre Zukunft nicht zu gefährden, vertuschen sie das Unglück und sorgen dafür, dass ein Unschuldiger für den Tod an Anja hinter Gitter wandert. Die Freunde kommen ungeschoren davon, ein Mantel des Schweigens legt sich jahrelang über ihre Tat.

Sommer 2001: Wieder verschwindet ein Mädchen, diesmal MERRY (14), die Tochter von Karl-Philipp. Niemand weiß, ob sie noch am Leben ist, aber alle ahnen eine Wiederholung des Damals. Während Johannes vor seiner zukünftigen Braut Eleni und den Hochzeitsgästen versucht, den schönen Schein zu wahren, gestaltet sich die Suche nach Karl-Philipps Tochter immer schwieriger. Unter dem immer noch stoisch leuchtenden blauen Himmels drängen die düsteren Geheimnisse der Vergangenheit hervor und die Freunde geraten in einen Strudel aus Lüge, Verrat und Rache. Johannes muss schmerzhaft erkennen, dass hier doch jeder eine eigene Agenda verfolgt – und dass auch seine Existenz am seidenen Faden hängt, nicht nur das Leben eines Mädchens.

Die Serie BLAUER HIMMEL wechselt rasant zwischen zwei Zeitebenen und entspinnt als Thriller und Charakter-Drama eine Saga um Schuld und Verdrängung. Wie kann es sein, dass „die da oben“ immer so leicht wegkommen mit ihren Vergehen?

Writer’s Room der 32. Drehbuchwerkstatt München: v. l. n. r. Jens Pfeifer, Kristina Peter, Melanie Schick, Philipp Schneider und Anna Göhrig

SPIDER MURPHY GANG:

Glory Days of Rock’n’Roll

Kino-Dokumentarfilm
91min
BR und MDR
Produktion: Juno Film
Verleih: Weltkino
Premiere: Internationales Filmfest München 2019, Reihe: Neues Deutsches Kino
Musikfilm-Tage Oberaudorf 2019
Filmfest Lünen 2019
Kinostart: 4. Juli 2019

Trailer:

Presseberichte:

SWR 2 Kultur, 4. Juli 2019:

„Es ist ein lakonischer Humor. Pfeifer entdeckt eine typisch bayerische Selbstironie in den Liedern der Spider Murphy Gang. Ein sehr geglückter Film, der Nostalgie, aufgeklärte Heimatliebe und Lebensweisheit mischt.“

SWR 2 Kultur, 04.07.2019

Süddeutsche Zeitung, 3. Juli 2019:

Film über die Spider Murphy Gang: Karriere im Sperrbezirk
Von Oliver Hochkeppel
Vor mehr als 40 Jahren ist die Spider Murphy Gang zum Rock’n’Roll gekommen. Jetzt hat Jens Pfeifer einen Dokumentarfilm über die Münchnerischste aller Bands gedreht.
Immer wieder wird festgestellt, dass es anders als etwa in Hamburg oder Berlin einen typischen Münchner Pop nicht gibt. Es gibt aber eine Band, die für München steht wie keine andere, eine, die vor 35 Jahren den Lokalkolorit mit Hits wie „Skandal im Sperrbezirk“ oder „Schickeria“ eingefangen hat und von der die einzige echte München-Hymne („Sommer in der Stadt“) stammt: die Spider Murphy Gang. Nicht zuletzt ist die Truppe um die Ur-Spiders Günther Sigl und Barny Murphy die langlebigste der hiesigen Szene.

Die Stationen sind bekannt: wie man als klassische Rock ’n‘ Roll-Band anfing und im Schwabinger „Memoland“ zur lokalen Größe aufstieg; wie BR-Moderator Georg Kostya sie für sein „Rock House“ entdeckte und Sigl dazu „zwang“, statt englischer bairische Texte zu schreiben; wie man damit ganz oben auf der Neuen Deutschen Welle ritt; wie sich das Ur-Quartett auflöste und man erst mit dem „Über-die-Dörfer-Tingeln“ wieder ein Publikum fand; und wie man seit etlichen Jahren wieder zu echten Lieblingen wurde, die problemlos den Circus Krone oder die Olympiahalle füllen und es unlängst gar zu Musical-Titelhelden brachten. Eine filmreife Geschichte also. Und so läuft nun von Donnerstag an – Premiere war gerade auf dem Filmfest -, vorerst in 62 bayerischen Kinos sowie einem in Berlin der 91-minütige Dokumentarfilm „Spider Murphy Gang – Glory Days of Rock ’n‘ Roll“ an.

Möglich gemacht haben das die Produzenten Daniela Ljubinkovic und Stefan Donaubauer, letzterer ein echter Fan, der „Pfiat di Gott, Elisabeth“ als Klingelton und das Projekt immer schon im Auge hatte. Als Regisseur fiel ihre Wahl auf Jens Pfeifer, aus mehreren Gründen ein Glücksgriff. Der HFF-Absolvent – der auch Ethnologie und Jura studiert hat – arbeitet vielseitig fürs Fernsehen, vom Kinderfilm-Bereich bis zu Musikbeiträgen für „Aspekte“ oder „KlickKlack“, und hat schon 2011 mit seiner Doku „Phoenix in der Asche“ seinen feinen filmischen Blick auf reale Personen bewiesen. Zum anderen hatte der 43-Jährige, obwohl er aus der NDW-Hochburg Hagen (die Humpe-Schwestern, Nena, Extrabreit, sie alle kamen von dort) stammt, mit der Spider Murphy Gang bislang überhaupt nichts am Hut. „Ich bin musikalisch eher mit Punk und Indie-Rock aufgewachsen. Als jetzt das Angebot für die Spiders-Doku kam, saß ich an einem Drehbuch für etwas komplett anderes und musste erst einmal darüber schlafen.“

Der Abstand aber erwies sich als wichtig. Pfeifer nähert sich seinen Protagonisten so mit der nötigen Unvoreingenommenheit, kommt der besonderen Beziehung zwischen Sigl und Murphy besser auf die Spur als ein Fan. Das zeigt sich besonders bei den Szenen, die gewissermaßen die Rahmenhandlung ergeben. Da hat Sigl wieder einen Song für die Band geschrieben, „Glory Days of Rock ’n‘ Roll“ eben, nach vielen Jahren der erste neue, und bei den Proben sieht man dann sehr deutlich, warum: Eigentlich bewegen sich die beiden inzwischen in ihren eigenen, verfestigten Welten, nur beim Zusammenspiel im gewohnten Rahmen ergibt sich dieses magische Band zwischen ihnen. Die Arbeit an Neuem aber ist für sie schwierig. Der Film verdichtet Vergangenheit und Gegenwart.

Natürlich arbeitet Pfeifer auch die Geschichte der Band spannend ab, mit viel altem, teilweise bislang unveröffentlichtem Originalmaterial. Schneidet schon beim Einstieg einen aktuellen Auftritt mit einem aus der großen alten Zeit zusammen. Lässt erstmals en detail die musikalischen Einflüsse erklären. Zeigt die alten Aufnahmen vom DDR-Gastspiel der Band und lässt Sigl und Murphy im Archiv die Stasi-Berichte darüber lesen. Lässt viele Beteiligte zu Wort kommen, von Willie Duncan, der ganz früh als Tour-Manager (und zwar ein völlig überforderter, wie er erzählt) dazu stieß, bevor er zum Begleitmusiker aufstieg, über den ewigen Manager Jürgen Thürnau bis zu Ludwig Seuss, seit 1987 Keyboarder der Band. Und spart auch die harte Zeit nicht aus, als das Erfolgsquartett auseinander fiel. Eindrucksvoll ist vor allen der Besuch beim Ex-Schlagzeuger Franz Trojan, der mit dem Erfolg und den Drogen nicht zurechtkam, komplett abstürzte, aber jetzt offensichtlich in Kamp-Lintfort wieder seinen Weg gefunden hat.

Wie alle guten Dokumentarfilme findet auch dieser Geschichten über sein eigentliches Thema hinaus. Es ist die Geschichte einer besonderen Freundschaft von Ungleichen. Aber auch eine vom untergegangenen Schwabing, drastisch vor Augen geführt, wenn Sigl und Murphy durch die Ruine des „Schwabinger Podium“ und durch den Designer-Möbelladen streifen, der früher das „Memoland“, der Ort ihrer ersten Triumphe war. So ist Pfeifers Film nicht zuletzt einer über eine vielleicht nicht vergessene, aber verlorene Zeit. Die dadurch wieder zum Leben erwacht, dass sich zwei mit ihr eng verbundene Figuren einfach stoisch in ihr weiterbewegen. Ganz nach dem Motto, das Günther Sigl ausgibt, wenn er über seinen Tinnitus und andere Malaisen spricht: „Ein Rock ’n‘ Roller gibt nicht auf.“

Abendzeitung, 4. Juli 2019
„Die Szenen aus dem Heute sind sehr interessant, aber der Film erzählt auch in typischer Rockdoku-Art von allen Highlight und Wendepunkten der Bandgeschichte.“

Münchner Merkur, 4. Juli 2019
„Was bleibt, ist eine mehr als verdiente Hommage an die Spider Murphy Gang, die es geschafft hat, zu bestehen.“

TZ, 4. Juli 2019
„Mit viel selten bis nie gesehen Archivmaterial, vielen persönlichen Einlassungen der Bandmitglieder und mitreißenden Live-Mitschnitten.“

Augsburger Allgemeine, 3. Juli 2019
„So entstehen eine liebevolle Hommage und ein wunderbares Bandporträt, dass alle Höhen und Tiefen der Band, die künstlerische Entstehung eines neuen Hits (der neue, titelgebende Song) sowie die Liebe zur Musik und der immer noch vorhandene am Spaß am Musik machen zeigt.“
„Der feinfühlige Film von Jens Pfeifer setzt der Band nun auch noch ein cineastisches Denkmal. Sehr zu empfehlen nicht nur für Spider- und Münchenfans.“

RTL.de, 3. Juli 2019
„Spider Murphy Gang – Glory Days of Rock ’n‘ Roll“ ist genau die richtige Doku zur richtigen Zeit.“

Gala.de, 3. Juli 2019
“In jeder Szene zu entdecken ist aber auch die liebevolle Faszination, die die Band auf die Filmemacher ausübt. Fazit: Sie sind noch da und sie sind noch gut!“

Passauer Neue Presse, 28. Juni 2019
„Herausgekommen ist ein Porträt, das einen faszinierenden Blick in die Bandgeschichte gewährt.“

LET’S GO TO WAR

Drehbuch

Gefördert vom FFF Bayern (2015); Re-Write als „Das Ende der Nachrichten“ (2018); Weiterentwicklung als Pilot für TV-Serie (2024)

LET’S GO TO WAR erzählt aus dem Schatten der Berichterstattung von der Anatomie der Lügen in Krieg und Medien – ein Drama über Fakten, Fake News und Propaganda und darüber, wie Stories in den Nachrichten landen.

Es ist die Geschichte der deutschen Kriegsreporterin Julia, die von der türkisch-syrischen Grenze aus einen investigativen Film über eine terroristische Gruppierung drehen will. Ihr üblicher Assistent vor Ort, Rami, holt sie nicht wie verabredet am Flughafen ab, stattdessen wartet dort der junge Bassam auf sie und behauptet, Rami, sein Bruder, habe ihn geschickt.

Im Zuge einer extrem riskanten Drehreise nach Syrien, die Julia notgedrungen mit Bassam wagt, macht sie einen folgenschweren Fehler: Bilder von Bassam sind in ihrem Fernsehbeitrag gelandet – ein Todesurteil für sogenannte „Stringer“, die für westliche Medien arbeiten. Kurz darauf verschwindet Bassam spurlos und Julia steht alleine vor ihrer Schuld und dem Sinn des Journalismus. Auf eigene Faust stürzt sie sich in das Spiel der Medien und in die Reste eines durch Krieg und Terror zerstörten Landes.

LET’S GO TO WAR ist auf Basis langer Recherchen hinter den Kulissen des größten Medienkrieges unserer Zeit entstanden. Der Film erzählt aus nächster Nähe, atemlos und im Niemandslands des Krieges – dabei zeigt er die bedingungslose Suche einer Journalistin nach Wahrhaftigkeit.

ZOBBEN

oder die Reise zum Ernst des Lebens

Kinderfilm

Gefördert von: Initiative Der besondere Kinderfilm & Focal-Stiftung

Norbert (11) findet seinen Namen ganz schlimm. Klingt nach alter deutscher Mann, sagt Aref (12), sein bester Freund aus Syrien. Also ist Norbert nur noch Nob. Die beiden Jungs haben ein Hobby, das man nur in einer Großstadt haben kann:  ZOBBEN! 

Aref und Nob gehen nach der Schule zum ZOB, dem zentralen Omnibusbahnhof. Hier gibt’s keine Klettergerüste, Hüpfburgen oder Skateboard-Rampen, hier wird rangiert, beladen, begrüßt und verabschiedet. Aref und Nob spielen im Dunstkreis des Reisens. Und beim Busfahrer Mihailovic lernen sie auch, wie europaweite Personenbeförderung geht. Am ZOB sind sie beste Freunde geworden. Das sind sie aber auch, weil sie etwas verbindet: Aref wartet auf seine Mutter. Sie ist auf der Flucht von Syrien nach Griechenland. Nob wartet auf das Lachen seines Vaters. Nach der Trennung und dem Wegzug seiner Mutter ist nichts mehr, wie es mal war.  

Als Aref erfährt, dass die Grenzen dicht sind und seine Mutter nicht nach Deutschland einreisen kann, bricht für ihn eine Welt zusammen. Kurzerhand beschließen Nob und Aref mit dem Bus die Balkan-Route in die „falsche“ Richtung zu fliehen, um Arefs Mutter zu finden. 

ZOBBEN erzählt humorvoll und unbefangen von Familie, Freundschaft und auf ganz eigene Weise von der globalen Flüchtlingskrise. Eine Geschichte, die im dunklen Gepäckraum eines Busses beginnt, auf dem Balkan ihren Höhepunkt findet und am Ende eine Reise zum Ernst des Lebens wird.

STRINGER

HOW TO REPORT ABOUT THE ARAB WORLD
Dokumentarfilm-Projekt / Recherche
DAAD-Promos-Stipendium
Otto-Brenner-Recherchepreis 2013 für investigativen Journalismus
Unterstützt von: Netzwerk Recherche e.V.

Stringer sind die Schattenhelden der News. Ohne sie geht nichts im weltweiten Geschäft der Nachrichten.

Eine Recherche, die es in sich hatte: Es begann mit einer sechswöchigen Drehreise nach Damaskus (Syrien) im Jahr 2010 für den Film Morgen kein Land (R: L. Reisch). Damals sprach noch keiner vom Arabischen Frühling oder vom Syrien-Krieg. Innerhalb eines Jahres änderte sich dann alles. Und die Recherche wurde zu einer fünfjährigen Beschäftigung mit dem Nahen und Mittleren Osten aus der Perspektive von Journalist:innen. Reisen nach Ägypten, Israel, Palästina und in die Türkei sowie Treffen und Gespräche mit Berichterstatter:innen veränderten meinen Blick auf die Welt, meine Haltung zum Journalismus, zu Dokumentarfilm und Spielfilm und vor allem hatte ich in dieser Zeit prägende Begegnungen. Gute Freunde flüchteten aus ihrer Heimat und waren plötzlich in Deutschland oder in den Niederlanden, ein Krieg begann, wütete, Terroristen bedrohten Protagonisten und während eines dreimonatigen Aufenthalts an der türkisch-syrischen Grenze begann ich mit dem Drehbuch-Schreiben.