Gefördert von: Initiative Der besondere Kinderfilm & Focal-Stiftung
Norbert (11) findet seinen Namen ganz schlimm. Klingt nach alter deutscher Mann, sagt Aref (12), sein bester Freund aus Syrien. Also ist Norbert nur noch Nob. Die beiden Jungs haben ein Hobby, das man nur in einer Großstadt haben kann: ZOBBEN!
Aref und Nob gehen nach der Schule zum ZOB, dem zentralen Omnibusbahnhof. Hier gibt’s keine Klettergerüste, Hüpfburgen oder Skateboard-Rampen, hier wird rangiert, beladen, begrüßt und verabschiedet. Aref und Nob spielen im Dunstkreis des Reisens. Und beim Busfahrer Mihailovic lernen sie auch, wie europaweite Personenbeförderung geht. Am ZOB sind sie beste Freunde geworden. Das sind sie aber auch, weil sie etwas verbindet: Aref wartet auf seine Mutter. Sie ist auf der Flucht von Syrien nach Griechenland. Nob wartet auf das Lachen seines Vaters. Nach der Trennung und dem Wegzug seiner Mutter ist nichts mehr, wie es mal war.
Als Aref erfährt, dass die Grenzen dicht sind und seine Mutter nicht nach Deutschland einreisen kann, bricht für ihn eine Welt zusammen. Kurzerhand beschließen Nob und Aref mit dem Bus die Balkan-Route in die „falsche“ Richtung zu fliehen, um Arefs Mutter zu finden.
ZOBBEN erzählt humorvoll und unbefangen von Familie, Freundschaft und auf ganz eigene Weise von der globalen Flüchtlingskrise. Eine Geschichte, die im dunklen Gepäckraum eines Busses beginnt, auf dem Balkan ihren Höhepunkt findet und am Ende eine Reise zum Ernst des Lebens wird.
HOW TO REPORT ABOUT THE ARAB WORLD Dokumentarfilm-Projekt / Recherche DAAD-Promos-Stipendium Otto-Brenner-Recherchepreis 2013 für investigativen Journalismus Unterstützt von: Netzwerk Recherche e.V.
Stringer sind die Schattenhelden der News. Ohne sie geht nichts im weltweiten Geschäft der Nachrichten.
Eine Recherche, die es in sich hatte: Es begann mit einer sechswöchigen Drehreise nach Damaskus (Syrien) im Jahr 2010 für den Film Morgen kein Land (R: L. Reisch). Damals sprach noch keiner vom Arabischen Frühling oder vom Syrien-Krieg. Innerhalb eines Jahres änderte sich dann alles. Und die Recherche wurde zu einer fünfjährigen Beschäftigung mit dem Nahen und Mittleren Osten aus der Perspektive von Journalist:innen. Reisen nach Ägypten, Israel, Palästina und in die Türkei sowie Treffen und Gespräche mit Berichterstatter:innen veränderten meinen Blick auf die Welt, meine Haltung zum Journalismus, zu Dokumentarfilm und Spielfilm und vor allem hatte ich in dieser Zeit prägende Begegnungen. Gute Freunde flüchteten aus ihrer Heimat und waren plötzlich in Deutschland oder in den Niederlanden, ein Krieg begann, wütete, Terroristen bedrohten Protagonisten und während eines dreimonatigen Aufenthalts an der türkisch-syrischen Grenze begann ich mit dem Drehbuch-Schreiben.
Im burgenländischen Purbach am Neusiedler See praktiziert Max Stiegl seit vielen Jahren seine extravagante, aber auch traditionelle Land-Küche, die immer wieder ins Archaische abschweift und Gerichte hervorbringt, die lange vergessen oder verschmäht waren. Max Stiegl ist bekannt für seine Innereien-Menüs, die Feinschmecker aus der ganzen Welt anlocken. Er kocht nach der Philosophie „From Nose to Tail“ – von der Nase bis zum Schwanz – also alles vom Tier wird verarbeitet.
(c) Mario Pampel
Seit einigen Jahren erweckt Max den traditionellen Sautanz wieder zum Leben. An jedem Samstag im Spätherbst und Winter wird wie früher auf den burgenländischen Höfen eine Sau direkt vor Ort geschlachtet, entborstet, ausgenommen und im Hof aufs sogenannte „Sauraimm“ gehängt. Ein althergebrachtes Spektakel, das Vegetariern unter die Haut geht, Fleischesser fasziniert und alle zum Nachdenken anregt. Denn im Laufe des Tages findet definitiv jedes Teil des Schweins sein Gericht: Hirn mit Ei, frische Innereien, Kesselfleisch, Blunzn, gedünstete Schweinerüssel usw. Erst gegen Mittag kommen die Teile auf den Teller, die jeder kennt, z.B. der Braten mit Kren, gegen Nachmittag wird gewurstet und nach einigen Gläsern Burgenland-Wein stürzen sich am Abend alle auf knusprige Grammeln mit Knoblauch und Majoran. Dazu wird aufgespielt und noch mehr getrunken.
Ausgehend vom Sautanz zeigt der Film eine Reise mit Max Stiegl durch die Gegend rund um den Neusiedler See. Max trifft seine engsten Produzenten, die den Kreislauf ihrer Fleischprodukte aufzeigen, die Haltung und die Verarbeitung ihrer Tiere beschreiben und dabei spüren lassen, was es bedeutet, wenn der Mensch für den Genuss von Fleisch Tiere tötet. Es geht gleichzeitig um Demut und Hingabe sowie um das Handwerk und die Kunst bei der perfekten Zubereitung von Fleisch. Max Stiegls radikale Küche genießt nicht nur internationalen Ruf, sie trägt auch eine Botschaft: Es geht um die Wertschätzung des Tieres. Eine Einstellung, die in Zeiten industrieller Fleisch-Produktion und billiger Discounter-Kultur eigentlich jeder Mensch, der Fleisch isst, mehr verinnerlichen sollte.
(c) Mario Pampel
Mit dem Spitzenkoch und seinen Freunden im Burgenland erleben wir ein Eintauchen in die pannonische Küche, eine Wiederentdeckung fast vergessener Traditionen im Umgang mit Fleisch und schlussendlich lernen wir, warum Fleisch immer etwas Besonderes sein sollte.
Hubert von Goisern im Flugzeug. Ziel: New York. Orangensaft im kleinen Plastikbecher. Auf dem Sitzbildschirm wandert blinkend ein roter Punkt über die Karte des Atlantiks: Flughöhe, Geschwindigkeit, Zeit am Zielort. Hubert schaut aus dem Fenster. Zerrissene Wolkenfelder, ganz unten das Meer, das Europa und die USA trennt. Die Sonne strahlt ins Fenster. Eine weitere Reise steht an. Für Hubert vielleicht schon die 100. Reise in Sachen Musik? Er war eigentlich schon überall, um Musik zu machen, natürlich auch in den USA. Warum geht es gerade jetzt wieder dorthin? Warum nicht an einen Ort, an dem er noch nie war? Oder warum nicht einfach Zuhause bleiben? Goisern gets the Blues…
Bereits vor über 20 Jahren erlebte Hubert mit seiner früheren Band, den Alpinkatzen, eine außergewöhnliche Tour in den USA, die Euphorie war groß. Damals tat sich für Hubert ein Fenster auf, mit seiner Musik auch in den Staaten noch mehr zu erreichen. Sein Fazit damals: „Ich habe nach wie vor das Gefühl, dass Amerika ein Land ist, wo ich mit einer Produktion auf Tournee gehen und das ich bereisen möchte. Wir hätten dort sicher eine Chance! (…) Mein Bewusstsein wurde gestärkt. Wir haben erfahren, dass auch in anderen Ländern nur mit Wasser gekocht wird und dass das, was wir machen, durchaus neben das gestellt werden kann, was andere machen. Man muss abwarten, was von der Euphorie, die bei den Amerikanern nach den Konzerten geherrscht hat, übrig bleibt.“
Heute, über 20 Jahre später, haben sich die USA verändert, während Hubert sich und seiner Sache treu geblieben ist. Er kompiliert, verbindet und öffnet seinen Sound: Unzählige musikalische Einflüsse anderer Länder finden den Weg in sein Werk, auf dem Album „Federn“ sind es Klänge aus den USA: Blues, Country, Südstaaten-Sound – Pedal- Steel und E-Gitarre, Cajun und Ziehharmonika. „Federn“ ist kraftvoll, aber auch melancholisch. Denn die USA machen Hubert zu schaffen: „Diese Entfremdung zwischen Europa und Amerika, die über die letzten zwei, drei Jahrzehnte passiert ist. Die verstehen uns nicht, wir verstehen sie nicht, und ich find‘ das unglaublich schade. Für die gibt’s die Welt außerhalb von Amerika nicht. Und wenn, finden sie alles bedrohlich. (…)“ Dieser generelle Eindruck von den Amerikanern steht konträr zu Huberts grundsätzlicher Offenheit, Neugierde und dem Wunsch, dass Musik verbinden und Brücken schlagen soll.
Genau deswegen reist von Goisern jetzt wieder in die USA: Er möchte wissen, was mit den USA geschehen ist, mehr oder weniger: „What’s wrong with the States?“ Hubert will den Amerikanern noch eine Chance geben, um jenes Bild zurechtzurücken.
Goisern goes America ist kein klassischer Tour-Film, es ist ein Musik-Dokumentarfilm, der sich zusammen mit Hubert von Goisern an den USA abarbeitet: An den gängigen Klischees, am Entertainment-Business, an den politischen Umständen, den musikalischen Einflüssen, an den Meinungen der Musiker, die hier leben und spielen. Die Platte „Federn“ trägt in sich US- amerikanische Musikeinflüsse, sie hat Blues, aber auch eine Wut auf die Entfremdung zu Europa und zum Rest der Welt. Dieser Sound begleitet den Film.
Aber was bietet Hubert dem US-Publikum live aus seinem weiterem Repertoire an? Spielt er Lieder aus anderen Schaffensperioden, die mehr mit den amerikanischen Gewohnheiten zusammenprallen? Immer wieder wird auf der Tour zu Begegnungen mit amerikanischen Musikern angehalten und gesprochen. Der Zuschauer erlebt dabei einen nachdenklichen Hubert von Goisern, der immer noch brennt und es jetzt wissen will. Er spielt in einem Club in New York, er trifft österreichische „Expats“ und amerikanische Fans; er sucht nach Instrumenten; er spielt Alphorn und wartet auf Reaktionen, es kommt zu Begegnungen. Vor allem Bob Bernstein, US-Amerikaner und Pedal Steel Gitarrist in Huberts Band wird zu einem Weggefährten auf dieser Tour.
Goisern goes America ist kein sentimentaler Rückblick, der Film erzählt ein Hier und Jetzt. Rückblicke gab es genügend. Huberts Unterwegs-Sein zählt. Seine USA-Reise ist eine persönliche Suche mit offenem Ende – wieder einmal lässt er sich auf einen Prozess des Verstehens ein. Die Tour findet in einer schwierigen Zeit statt: Über Jahrzehnte dominierten die USA machtvoll die Weltpolitik, mischten sich mit ihren Interessen ein, und die Welt würde ohne das heute anders aussehen. Warum sollte man angesichts der Flüchtlingsströme nach Europa, der Kriege, zweifelhafter Handelsabkommen und im undurchsichtigen „Geschacher“ der Weltmächte überhaupt in die USA reisen? Würde es nicht viel mehr bringen, dorthin zu fahren, wo die wirklichen Probleme sind? Oder sind eben diese Probleme auch in den USA spürbar? Auf seiner Reise wird Hubert musizieren, reden und vor allem: Fragen stellen. Seine Musik anderswo spielen, das war immer schon sein Beitrag für das gegenseitige Verständnis von Kulturen, Ländern und Menschen. In Goisern goes America gibt’s den Sound von Hubert, aber vor allem auch den Blick hinter die Kulissen – wie ist das mit Hubert von Goisern in den USA unterwegs zu sein?
Die VICE Reports: Episode 23, Teil 1 als Co-Autor, Regisseur und Host
Reportage, 20min Vice Reports / RTL2 Produktion: Vice Media 2016
German Angst und deutsche Konsequenz: Wir begleiten Menschen, die im Wochenendseminar lernen wollen, wie sie sich im Fall eines Anschlags zur Wehr setzen können.
Spätestens seit den Anschlägen von Paris hat auch in Deutschland die Angst vor Terroranschlägen spürbar zugenommen. Während das Innenministerium mit neuen Spezialverbänden bei der Bundesbereitschaftspolizei reagiert, rüstet auch so mancher Bundesbürger auf: Der kleine Waffenschein erlebt eine Renaissance, die Waffengeschäfte kommen kaum mit dem Verkauf legaler Abwehrwaffen hinterher, Bürgerwehren gehen auf Streife und wer will, kann sich in Workshops beibringen lassen, wie sich vermeintlich ein jeder gegen Terroristen zur Wehr setzen kann.
VICE-Korrespondent Jens Pfeifer hat einen Anti-Terror-Workshop besucht, bei dem Zivilisten von privaten Sicherheitstrainern und Personenschützern lernen wollen, wie noch mal trainiertere Spezialeinsatzkräfte einem Anschlag entfliehen oder ihm entgegenwirken würden, und spricht mit dem Terrorismus-Experten Stephan Humer, ehemaligen Kommando-Ausbildern und der Berliner Polizei über Vertrauensverluste, Anti-Terror-Wissenstransfer im Stille-Post-Verfahren, Angstbewältigung per Wochenendseminar und die Frage, wie angreifbar sich eine Gesellschaft macht, wenn sie bei einer immer diffuseren Bedrohungslage eine immer größere Sehnsucht nach Sicherheit aus eigener Hand ausbildet. (…)